Bessere Landschaftsbilder machen — ohne HDR!

Autumn Sunrise

Der Herbst lädt ja gerade dazu ein, ein paar schöne Landschaftsbilder zu machen. Für tolle Lichtstimmungen muss man nicht ewig lange aufbleiben oder in aller Herrgottsfrühe aufstehen, die Farben, die Lichter … herrlich!

Darum geht es mir: wie man bessere Landschaftsbilder macht … und wie eben nicht. Sinnloses Rumgeballer mit Belichtungsreihen um dann fragwürdige HDR-Bilder zu erstellen ist Käse. Konzentriert Euch auf die Stimmung, setzt die Belichtung dahin, wo sie sein soll — viele Anpassungen kann man dann in Lightroom oder Photoshop vornehmen.

Und da höre ich es auch schon: “Aha … Wasser predigen und Wein saufen … Heuchler! Nachbearbeitung ist bäh … get it right in cam – DAS ist die reine Lehre!”

Ja, das stimmt auch. Vollkommen! Genau darum geht es mir auch.

Aber was ist denn richtig? Da müsst Ihr Euch entscheiden — alles gleichzeitig geht nicht. Ist es der Himmel, der die entscheidende Stimmung erzeugt? Dann müsst Ihr für den Himmel belichten. Oder ist es die Stimmung, welche die Sonne auf der Landschaft erzeugt? Dann gehört die Belichtung darauf abgestimmt. Alles Weitere passiert dann eben in der Nachbearbeitung. Und dafür reicht eine einzelne Aufnahme vollkommen aus, denn in der Regel haben Eure Raw-Dateien (!) ausreichend Informationen, die Ihr herauskitzeln könnt … dafür braucht es keine Megapixel-Monster wie die Nikon D800.

Das folgende Nicht-Meisterwerk zeigt, was alles möglich ist (vorher/nachher). Bei dem Bild war mit die Wolkenstimmung wichtig und darauf habe ich belichtet. Der Rest ist Lightroom.

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Und ja: mir ist vollkommen klar, dass man sich Rauschen einfängt, wenn man die Tiefen hochzieht. Je nach Kamera ist das nicht ohne und für den 120 mal 150-Ausdruck vielleicht auch störend. Aber das ist nicht mein Punkt. Vielmehr geht es mir darum, sehen zu lernen, sich auf das Wichtige zu fokussieren — dann zu Mehrfachbelichtungen zurückzukehren macht einen Riesenunterschied!

Die Entscheidung liegt bei Euch — Ihr seid völlig frei! Aber nehmt Euch dieser Herausforderung auch an und macht Eure Bilder bewusst. Ihr seid die Künstler hinter dem Bild — überlasst das nicht Eurer Kamera und einer HDR-Software.

Checkliste:

  1. Kamera auf manuellen Modus stellen
  2. photographiert in Raw (oder Raw+JPEG)
  3. Belichtung auf das zentrale Element
  4. checkt das Histogramm
  5. … und passt die Belichtung ggf. ein wenig an

Versteht mich nicht falsch: ich bin kein Anti-HDR-Dogmatiker und ein großer Freund von Aufnahmen mit hohem Dynamik-Umfang. Ich habe auch lange mit HDR experimentiert, besitze alle gängigen Programme für’s HDR-Stitching, komme aber immer mehr zur Handarbeit zurück. Also nicht mehr 9 Bilder in einer Belichtungsreihe schießen (womöglich noch mit Programmautomatik), ab in Photomatix, ein paar Presets geklickt und fertig.

Versucht mal, ein Bild zu machen. Das eine Bild! So wie das Bild ganz oben. Eine Aufnahme. 16 Megapixel. Eure Kamera ist keine Ausrede.

Probiert’s aus … und schickt Eure Bilder!